Rundbrief Juli

Schulterstand – Salamba Sarvangasana (सर्वाङ्गासन)

Salamba Sarvangasana ist die Mutter aller Asanas. So wie eine Mutter nach Harmonie und Freude in der Familie strebt, so sucht diese Asana, Harmonie und Freude im menschlichen Organismus herzustellen.

Da das ganze Körpergewicht von Hals und Schultern getragen wird und die Hände zum Stützen benutzt werden, heißt diese Übung Salamba-Sarvangasana.  Alamba bedeutet Stütze, Hilfe. Sa = zusammen oder begleitet von. Salamba meint also unterstützt oder hochgehalten. Sarvanga (Sarva = alles, das Ganze, insgesamt, vollständig; Anga = Glied oder Körper) ist der gesamte Körper, sind alle Glieder. Aus dieser Stellung zieht der ganze Körper Nutzen. Daher der Name.

Der Schulterstand gehört zu den Umkehrhaltungen in der Yogapraxis. Bildlich gesehen bekommt der Übende in dieser Asana die Möglichkeit, die Welt aus einer anderen Position zu betrachten.  Sarvangasana symbolisiert die weibliche und weiche Seite des Lebens und damit die Empfindsamkeit und Empfänglichkeit.

Mensch und Maß, vergiss das nicht, müssen sein im Gleichgewicht. - Friedrich Löchne

 

Die Bedeutung von Sarvangasana kann nicht genug betont werden. Es ist eine der größten Wohltaten, die der Menschheit von den alten Yogis überliefert wurde. Es ist ein Universalheilmittel gegen die meisten alltäglichen Krankheiten.

Sarvangasana belebt und verjüngt den gesamten Körper.

Die Stellung mobilisiert die obere Wirbelsäule und die Schultergelenke, stärkt den unteren Rücken und die Arme und baut Stress und Anspannung - durch die gründliche Dehnung der Rückenmuskulatur - ab.
Da der Kopf in dieser umgekehrten Stellung unbeweglich bleibt und die Blutzufuhr zu ihm durch den festen Kehlverschluss reguliert wird, werden die Nerven besänftigt und Kopfschmerzen gelindert.

Gleichzeitig wirkt Sarvangasana auf die Schilddrüse und die Nebenschilddrüsen, die in der Halsregion liegen, da durch die feste Abriegelung des Kinns die Blutzufuhr verstärkt wird. Überdies fließt das Blut der Venen - dank der umgekehrten Körperhaltung - zum Herzen ohne starke Anspannung, aufgrund der Schwerkraft. Eine Wirkung hiervon ist, dass Menschen, die an Atemnot, an Herzklopfen, Asthma, Bronchitis und Halserkrankungen leiden, Erleichterung finden. Feinstofflich gesehen wird die Energie im Hals-Chakra konzentriert.
Die Veränderung der Schwerkraft im Körper wirkt auch auf die Bauchorgane und den Unterleibsbereich, so dass die Gedärme sich entspannt bewegen und Verstopfung vergeht. Auch wird der Organismus von Giften befreit und man fühlt sich voller Energie.  

Nach Krankheit bringt diese Übung - wenn sie zweimal am Tag ausgeführt wird - die verlorene Vitalität wieder zurück.

Ausführung und Technik

  • Legen Sie sich in der Rückenlage auf ihre Matte. Beine geschlossen und die Arme am Körper.
  • Wandern Sie mit ihren Schultern etwas nach innen, damit sich der Nackenbereich vom Boden lösen kann.
  • Die Arme und Hände legen Sie fest auf die Matte und ihre Beine liegen gestreckt oder angewinkelt nebeneinander auf der Matte.
  • Beim Einatmen ziehen Sie ihre Beine Richtung Decke und bei Ausatmen versuchen Sie das Gewicht der Beine etwas hinter den Kopf zu ziehen, damit sich ihr Becken und der Oberkörper anheben kann.
  • Setzen Sie jetzt ihre Handflächen auf die Hüften oder auf den unteren Rücken. Ihre Schulter und Ellenbogen, versuchen Sie noch etwas nach innen aufzusetzen, damit Sie das Gewicht des Köpers mehr mit den Schultern und Unterarmen tragen können und der Nackenbereich entlastet ist. Der Hinterkopf liegt auf der Matte auf.
  • Wenn Sie dann soweit sind, schieben Sie ihre Beine in der Länge nach oben zur Decke.
  • Die Beine sind geschlossen und die Muskulatur der Beine versuchen Sie in der Spannung zuhalten. Das gibt Ihrem Körper Balance und Stabilität.
  • Das Kinn etwas vom Brustkorb wegziehen, damit die Halswirbelsäule sich vom Boden lösen kann.
  • Diese Position versuchen Sie – je nach Ihren Fähigkeiten - 1 bis 3 Minuten zu halten. Der Atem fließt in ihrem Yogaatemrhythmus.
  • Aus dieser Position kommen Sie entweder mit angewinkelten oder gestreckten Beinen. Lösen Sie Ihre Hände vom Rücken, legen Sie sich flach auf die Matte und entspannen Sie.

Menschen mit Nackenverletzungen und Frauen in der Zeit ihrer Periode, sollen den Schulterstand vermeiden. Frauen in der Schwangerschaft über dem vierten Monat und Menschen mit hohem Blutdruck sollten den halbenrund juli16 06 Schulterstand (leichtere Variante) praktizieren.

Fröhlichkeit und Mäßigkeit sind die beiden besten Ärzte - Deutsches Sprichwort

Es ist keine Übertreibung, wenn man behauptet, dass ein Mensch, der regelmäßig Sarvangasana übt, neue Kräfte und Stärke entwickelt und fröhlich und voller Vertrauen ist. Neues Leben strömt in ihn.

Vertrauen ist die Mutter der Sorglosigkeit. - Baltasar Gracián